Angedacht

„Meine Fahrschule war manchmal der Horror!“ Das sagte mir vor einiger Zeit eine junge Frau. Der Fahrlehrer habe sie ständig nur kritisiert, und zwar sehr lautstark und verletzend. Sie habe immer mehr ihr Selbstvertrauen verloren und allmählich bezweifelt, ob sie es überhaupt je schaffen würde. Bereits vor Beginn der Fahrstunde war sie nervlich äußerst angespannt. Die Folge waren dann natürlich Fehler in der Fahrpraxis.Eines Tages habe ihr eine Freundin geraten, die Fahrschule zu wechseln. Das habe sie nach einigem Zögern getan – und siehe da, sie hat es geschafft, schon bei der ersten Prüfung. Die freundlichen Worte des zweiten Fahrlehrers hätten dies bewirkt! Er habe ihre Fortschritte stets lobend hervorgehoben, habe sie ermutigt, so dass ihr Selbstvertrauen allmählich wieder zurückkehrte.
„Freundliche Worte sind wie Honig“ - heißt es im biblischen Buch der Sprüche. Das ist eine Lebensweisheit, die wohl jeder bestätigen kann. Sie können wahre Wunder bewirken, in Schule und Studium, in der Medizin, auf der Arbeitsstelle, in Familie und Partnerschaft, ja in allen Lebensbereichen. Freilich sollte dabei die Ehrlichkeit nicht auf der Strecke bleiben. Es geht jedoch in dem Bibelwort nicht darum, „Honig um das Maul zu schmieren“ oder anderen nur nach dem Munde zu reden, sondern um eine Grundeinstellung imUmgang mit anderen Menschen: nämlich sie grundsätzlich anzunehmen.
Man kann berechtigte Kritik auch mit freundlichen Worten formulieren. „Der Ton macht die Musik“. Es geht letztlich um Nächstenliebe. Das ist die ethische Kernbotschaft des christlichen Glaubens. Und die gründet in der biblischen Zusage, dass Gott jeden Menschen liebt, egal wie gut oder schlecht man das Leben meistert. Wer darauf vertraut, den können auch harte Worte eines Fahrlehrers oder anderer unfreundlicher Mitmenschen das Leben nicht „versauern“.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen „viel Honig“ im Monat Juni.

Ihr Matthias Albani